Das Messerli Forschungsinstitut für Mensch-Tier-Beziehung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) startet gemeinsam mit seinen Partneruniversitäten, der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien, ein interdisziplinäres Post-Doc-Programm.
Die Partneruniversitäten suchen
2 Universitätsassistent:innen (Post-Doc)
für das Interdisziplinäre Post-Doc-Programm des Messerli Forschungsinstituts für Mensch-Tier-Beziehung
Einstufung:B1 Post-Doc
Beschäftigungsausmaß:40 Wochenstunden
Dauer des Dienstverhältnisses:Befristung auf 3 Jahre (nach positiver Evaluierung Verlängerung um 2 weitere Jahre möglich)
Bewerbungsfrist NEU:26.07.2026
Kennzahl:2026/0047
Ziel des Interdisziplinären Post-Doc-Programms (IDPP)
Die ausgeschriebenen Stellen zielen darauf ab, die aktuellen Schwerpunkte des Messerli Forschungsinstitut („MFI“) und seiner Partneruniversitäten zu integrieren und weiter auszubauen. Zu diesem Zweck wurden für die Ausschreibung acht Forschungsthemen und deren Mentor:innen (siehe unten) identifiziert, die sich mit Problemen im Zusammenhang mit Mensch-Tier-Beziehungen befassen. Diese Themen werden als komplexe und dynamische Phänomene behandelt, die die Perspektiven von Tieren und Menschen integrieren, um durch interdisziplinäre Forschung ein tiefgreifendes Verständnis zu erlangen. Daher sind die Partneruniversitäten auf der Suche nach Projektvorschlägen von Bewerber:innen, die sich mit einem der acht interdisziplinären Themen befassen. Die Partneruniversitäten suchen Vorschläge, die Informationen, Daten, Techniken, Werkzeuge, Methoden, Konzepte und/oder Theorien aus den Disziplinen der genannten Mentor:innen integrieren.
Die Projekte sollten über Spezialwissen hinausgehen und ein umfassendes Verständnis der Herausforderungen im Zusammenhang mit Mensch-Tier-Beziehungen fördern, um so zu Lösungsansätzen beizutragen, die über den Rahmen einzelner Disziplinen hinausgehen. Bewerber:innen können sich für mehr als ein Thema bewerben. Für jedes der acht Forschungsthemen haben sich zwei bis drei MFI-Mentor:innen der Vetmeduni, der Medizinischen Universität Wien oder der Universität Wien zusammengeschlossen. Sie bündeln ihr Fachwissen, um die Kandidat:innen bei der Entwicklung ihrer interdisziplinären Forschungsprojekte zu unterstützen. Die Projekte werden von der erfolgreichen Kandidatin/dem erfolgreichen Kandidaten initiiert und geleitet. Es wird daher nicht nur exzellente Forschung, sondern auch die Erhöhung der internationalen Sichtbarkeit sowohl des MFI als auch der Forscher:innen des Interdisziplinären Post-Doc-Programms („IDPP“) erwartet.
Dienstort
Die jeweilige Stelle wird in ein dynamisches Forschungsumfeld eingebettet sein, das je nach Thema, an welchem die/der jeweils erfolgreiche Kandidat:in arbeiten wird, an einer der Partneruniversitäten angesiedelt ist.
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni) ist ein international anerkanntes Zentrum für veterinärmedizinische Lehre, Forschung und Wissenstransfer. Der moderne Campus beherbergt Lehr- und Forschungseinrichtungen sowie Tierkliniken. Die Vetmeduni ist das einzige tiermedizinische Lehr- und Forschungsspital Österreichs. Sie beheimatet rund 2300 Studierende und 1400 Mitarbeiter:innen. Das Streben nach Exzellenz in Lehre und Forschung sowie in den Serviceeinrichtungen zeichnet die Vetmeduni ebenso aus wie die Wahrnehmung gesellschaftlicher Aufgaben.
Die Medizinische Universität Wien ist eine der renommiertesten medizinischen Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen Europas. Mit mehr als 8.000 Studierenden ist sie heute die größte medizinische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Zusammen mit 30 Universitätskliniken und zwei klinischen Instituten sowie 13 Zentren für Grundlagenforschung und zahlreichen hochspezialisierten Laboren ist die Medizinische Universität Wien eine der wichtigsten Spitzenforschungseinrichtungen im Bereich der Biomedizin.
Die Universität Wien rangiert regelmäßig unter den 100 besten Universitäten weltweit und ist seit ihrer Gründung im Jahr 1365 Heimat für Wissenschaftler:innen, die von echter Neugier getrieben sind. Wir fördern Interdisziplinarität und kritisches Denken, um die großen Fragen unserer Zeit anzugehen, und verbinden dabei akademische Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung. Einen kompakten Überblick über das Profil, die Struktur und die Organisation der Universität Wien finden Sie hier:https://www.univie.ac.at/en/about-us.
Tätigkeitsbereich
Im Rahmen des neu eingerichteten IDPP lädt das MFI Post-Docs mit einer integrativen Denkweise und Interesse an einer interdisziplinären Forschungskarriere zur Bewerbung ein. Dabei werden exzellente, innovative und problemlösungsorientierte Forschungsprojekte unterstützt, die sich mit den Herausforderungen und Vorteilen von Mensch-Tier-Interaktionen befassen und die die menschlichen, wie auch die tierischen Perspektiven dieser Interaktionen untersuchen.
Das Messerli Forschungsinstitut für Mensch-Tier-Beziehung wurde im Jahr 2010 mit Unterstützung der Messerli-Stiftung gegründet. Das Institut, das in Zusammenarbeit mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien ins Leben gerufen wurde, hat das Ziel, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die wechselseitige Beeinflussung von Menschen und Tieren zu gewinnen. Die Forschung am Institut konzentriert sich auf die wissenschaftliche Untersuchung des Zusammenlebens von Menschen und Tieren und zielt darauf ab, überzeugende Kriterien und Strategien für eine ethisch vertretbare Behandlung von Tieren zu entwickeln. Das Institut zeichnet sich durch einen breiten interdisziplinären Ansatz aus – einschließlich Biologie, Medizin, Veterinärmedizin, Philosophie, Psychologie, Immunologie, Genetik sowie Ethik und Recht.
Verantwortlichkeiten
* Entwicklung und Umsetzung eines problemorientierten, interdisziplinären und innovativen Forschungsprojekts, das sich mit einem der acht unten beschriebenen Themen befasst, in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Mentor:innen
* Veröffentlichung in Fachzeitschriften mit Peer-Review und anderen für den Bereich relevanten Publikationen
* Betreuung und Training von nicht graduierten Studierenden
* Aktive Mitwirkung an den interdisziplinären und interuniversitären Aktivitäten des MFI
* Aktive Mitwirkung an den strategischen Zielen des MFI und der Universität, an der sie beschäftigt sind, in Bezug auf Forschung, Lehre und Wissensvermittlung
* Teilnahme an Sitzungen, Veranstaltungen und Berichtsaktivitäten des MFI
* Themenspezifischen Erfordernisse und erwünschte Qualifikationen und Kompetenzen siehe Thema 1 bis 8
Erforderliche Ausbildung, Qualifikationen und Kenntnisse
* Abgeschlossenes Studium und weiterführendes Doktorat/PhD in einem relevanten Fachgebiet
* Überdurchschnittliche einschlägige Publikationsleistung (unter Berücksichtigung der Karrierestufe)
* Forschungs- oder Arbeitserfahrung in interdisziplinären Projekten
* Erfahrung in der Betreuung von nicht-graduierten oder graduierten Studierenden
* Erfahrung mit nationalen und internationalen Forschungskooperationen
* Gute Englischkenntnisse (B2)
Weitere erwünschte Qualifikationen und Kompetenzen
* Nachweisliches Interesse an der Entwicklung einer interdisziplinären Forschungskarriere
* Formale Ausbildung in inter- und transdisziplinären Forschungsmethoden
* Erfahrung in der Arbeit in interdisziplinären Forschungskontexten
* Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Nicht-Wissenschaftler:innen und Stakeholder:innen-Gruppen, die sich mit Mensch-Tier-Interaktionen befassen
* Erfahrung in der Wissenschaftskommunikation, z. B. akademische Outreach-Aktivitäten und öffentliche Veranstaltungen
* Integrative Denkweise und echtes Interesse an interdisziplinärer oder transdisziplinärer Forschung
* Ausgeprägte soziale und kommunikative Kompetenzen, Teamfähigkeit, Engagement und hohe Leistungsbereitschaft
* Universitäre Lehrerfahrung
* Gute Deutschkenntnisse (B2)
Was wir bieten
* Ein Fellowship für 3 Jahre mit der Möglichkeit einer Verlängerung um 2 weitere Jahre nach einer positiven Evaluierung
* Eine motivierende Gruppe mit 4 bis 8 Kolleg:innen, die in ähnlichen Positionen arbeiten
* Ein ausgezeichnetes interdisziplinäres Forschungsumfeld, das das Fachwissen und die Einrichtungen von 3 Universitäten vereint
* Top-Universitäten
* Stabile Arbeitgeber:innen
* Persönliche und berufliche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten
* Präventive und medizinische Gesundheitsförderung
* Diversitäts- und familienfreundliche Universitätskultur
* Kinderbetreuungs- und Ferienbetreuungsangebote
* Zahlreiche attraktive Zusatzleistungen
* Mitarbeiter:innenevents
Mindestentgelt:
Das kollektivvertragliche Mindestentgelt für Arbeitnehmer:innen an Universitäten gemäß der oben angegebenen Einstufung beträgt EUR 5.014,30 brutto monatlich auf Basis Vollzeit (40 Stunden/Woche).
Bewerbung:
Die Partneruniversitäten freuen sich über Ihre Bewerbung in englischer Sprache mit der Kennzahl 2026/0047, welche Sie per E-Mail an
idpp@vetmeduni.ac.atübermitteln. Bitte führen Sie die Kennzahl unbedingt an, da wir Ihre Bewerbung sonst nicht korrekt zuordnen können.
Die Bewerbungsunterlagen in englischer Sprache müssen enthalten:
* Bewerbungsschreiben (max. 3 Seiten) mit einer kurzen Beschreibung:
o inwiefern das Fachgebiet der Bewerberin/des Bewerbers für das zu behandelnde Forschungsthema relevant ist. Behandelt die Bewerberin/der Bewerber mehr als ein Thema, muss diese Relevanz für jedes Thema separat und ausdrücklich beschrieben werden.
o des Karriereplans der Bewerberin/des Bewerbers und der erwartete Beitrag zum MFI IDPP
o des Forschungsnetzwerks der Bewerberin/des Bewerbers und dessen Mehrwert für das MFI
* Lebenslauf (max. 3 Seiten) einschließlich
o Name und Kontaktdaten der Person sowie relevante Websites
o Beschreibung der akademischen Ausbildung und Liste der akademischen Meilensteine und relevanten Positionen, die bisher bekleidet wurden (mit einer kurzen Erläuterung etwaiger Lücken im Lebenslauf, falls zutreffend)
o Hauptforschungsgebiete, kurze Darstellung der wichtigsten bisher erzielten Forschungsergebnisse und Informationen zu ausgewählten Faktoren für die Forschungsbewertung (z. B. Qualität der Veröffentlichungen, eingeladene Vorträge) und Anerkennung von Exzellenz
o Erfahrung in interdisziplinären Forschungskontexten
o Überblick über die akademische Lehre und betreute Abschlussarbeiten
o Nachweis von Wissenstransfer inkl. Servicedienstleistungen und Bereitstellung von Fachwissen über die wissenschaftliche Gemeinschaft hinaus und andere bedeutende Auswirkungen
* Liste der eingeworbenen Drittmittel (Thema, Geldgeber, Budget, Laufzeit, eigene Funktion im Projekt) und aktuell eingereichter Förderungen bzw. erfolgloser Förderanträge
* Publikationsliste
* Liste eingeladener Vorträge
* Forschungsprojektvorschlag zu einem der 8 unten beschriebenen Themen (max. 4 Seiten exklusive Titel, Abstract und Literaturverzeichnis). Interessierte können sich für mehrere Themen bewerben. In diesem Fall müssen mehrere Projektvorschläge eingereicht werden, die sich jeweils separat mit einem bestimmten Forschungsthema befassen. Jeder Vorschlag muss gemäß der folgenden Vorlage strukturiert sein:
o Nummer und Kurztitel des jeweiligen Themas (siehe Liste unten)
o Titel des Projekts
o Abstract: Eine kurze Zusammenfassung des vorgeschlagenen Projekts (2.000 Zeichen)
o Einleitung, Hintergrund und Stand der Forschung: Geben Sie eine Einführung in das Thema. Welche Herausforderungen in den Mensch-Tier-Interaktionen bilden den Hintergrund des Forschungsvorhabens? Was ist das spezifische Thema/Phänomen im Zusammenhang mit diesem Thema, das in der Forschung behandelt werden soll?
o Forschungsfragen, Ziele und/oder Hypothesen: Beschreiben Sie klar die Forschungsfragen, die Ziele und/oder Hypothesen, die im Projekt behandelt werden sollen.
o Interdisziplinarität und beteiligte Forschungsbereiche/Disziplinen: Welche Disziplinen sind beteiligt und wie unterstützt der interdisziplinäre Ansatz die Erreichung der skizzierten Forschungsziele? Skizzieren Sie die Grenzen jeder dieser einzelnen Disziplinen bei der Bearbeitung der Forschungsfrage/Forschungsziele/Hypothesen und beschreiben Sie den Mehrwert Ihrer interdisziplinären Zusammenarbeit mit den Mentor:innen.
o Methodik: Geben Sie Schlüsseldetails zu den methodischen Ansätzen an und erläutern Sie die Komplementarität der verwendeten Methoden. Wie werden Theorien und Methoden aus den verschiedenen Bereichen kombiniert und wie werden Integration und Synthese erreicht?
o Wissenschaftliche Bedeutung und Beiträge: Skizzieren Sie den erwarteten Beitrag des Projekts zum Forschungsgebiet der Mensch-Tier-Interaktionen. Wie wird Ihre Forschung dazu beitragen, das zu Beginn identifizierte Problem anzugehen/zu lösen?
* Namen und Kontaktinformationen von drei Referenzen
* Alle weiteren in der Stellenausschreibung als erforderlich beschriebenen Ausbildungs-, Qualifikations- und Kenntnisnachweise
Forschungsthemen und Mentor:innen
Um Forschungsprojekte zu fördern, die mit dem derzeit am MFI verfügbaren Fachwissen am besten unterstützt werden können, werden in dieser Ausschreibung die folgenden acht Forschungsthemen angeboten. Bewerber:innen können sich mit ihrer Bewerbung auf ein oder mehrere Themen beziehen, indem sie für jedes Thema einen klar abgegrenzten Forschungsvorschlag einreichen und in ihrem Vorschlag deutlich angeben, welche Themen sie behandeln möchten.
Thema 1: Begleithunde im urbanen Leben: Brückenschlag zwischen interdisziplinären Perspektiven zum Zusammenleben;
Mentorinnen: Zsófia Virányi (Tierverhalten, vergleichende Psychologie;
https://orcid.org/0000-0003-3963-8426) & Judith Benz-Schwarzburg (Tierethik, Philosophie;https://orcid.org/0000-0003-1523-2181)
Das städtische Leben ist nicht nur durch menschenzentrierte Institutionen und Infrastrukturen geprägt, sondern auch durch die ständige Präsenz von Tieren. Insbesondere Hunde sind als zentrale Figuren des Stadtlebens akzeptiert, vor allem wegen ihren anerkannten positiven Auswirkungen auf ihre Besitzer:innen und Familien. Sie teilen jedoch nicht nur ihre Wohnungen, sondern begleiten Menschen auch in öffentlichen Bereichen und prägen die alltäglichen Interaktionen zwischen Bürger:innen. Die Allgegenwärtigkeit von Hunden ist offensichtlich, doch die Art und Weise wie sie repräsentiert und behandelt werden, spiegelt in erster Linie menschliche Interessen wider und positioniert sie als Entitäten, die verwaltet und reguliert werden müssen und nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft. Die Anerkennung von Hunden als eigenständige Teilnehmer am gesellschaftlichen Leben mit eigenen Interessen und direkten Auswirkungen auf andere Mitglieder der Community erfordert, dass ihre Perspektiven und Bedürfnisse berücksichtigt und die Interaktionen zwischen Hunden und Fremden untersucht werden.
Daher wird bei diesem Forschungsthema dazu aufgerufen, sich mit den Herausforderungen auseinanderzusetzen, das Zusammenleben von Hunden und Menschen in städtischen Umgebungen auf eine Weise zu verstehen, die über Regulierung und Konfliktmanagement hinausgeht, und es in Richtung einer gemeinsamen Community zu gestalten, die auf die Bedürfnisse und den moralischen Status aller Mitglieder achtet. Um dieses Problem anzusprechen, muss untersucht werden wie Hunde im häuslichen und öffentlichen Umfeld dargestellt und bewertet werden, welcher moralische Status ihnen zugeschrieben wird und inwieweit solche Zuschreibungen entweder ethisch problematisch sind, oder das Potential haben, gerechte speziesübergreifende Gemeinschaften zu schaffen. Gleichzeitig muss die Verhaltens- und Psychologieforschung untersuchen, wie Menschen und Hunde tatsächlich miteinander interagieren und sich gegenseitig wahrnehmen, wie sie ihr Verhalten in gemeinsamen Umgebungen anpassen und wie diese Interaktionen in die ethische Reflexion einfließen könnten.
Daher zielt dieses Thema darauf ab, ethische und philosophische Perspektiven mit empirischer Forschung in einen Dialog zu bringen und Raum zu schaffen, um das Zusammenleben aus verschiedenen Blickwinkeln zu untersuchen. Dieser Dialog kann neue Erkenntnisse darüber liefern, wie Menschen und Hunde zusammenleben und zusammenleben sollten, und gleichzeitig praktische Implikationen für Bildung, Policymaking und Stadtplanung sichtbar machen.
Zusätzliche zu den oben angeführten Erfordernissen sind für dieses Thema folgende themenspezifisch Qualifikationen und Kenntnisse erforderlich:
* Erfahrung mit Debatten über das Mensch-Tier-Zusammenleben und den ethischen Theorien und Konzepten, die diesen Debatten zugrunde liegen
* First-Hand-Erfahrung mit Hunden
* Interesse daran, verschiedene Methoden zu erkunden und zu integrieren, die von konzeptionellen philosophischen Untersuchungen bis hin zu Umfragen und Verhaltensbeobachtungen reichen
Thema 2: Sind nicht alle Tiere gleich? Interkulturelle Konzeptualisierungen von Hunden und ihre Kategorisierung in Mensch-Tier-Interaktionen
; Mentor:innen: Herwig Grimm (Philosophie und Ethik der Mensch-Tier-Beziehungen;https://www.researchgate.net/profile/Herwig-Grimm) & Zsófia Virányi (Verhaltensbiologie, kognitive Ethologie;https://orcid.org/0000-0003-3963-8426)
Mensch-Tier-Interaktionen sind komplex und dynamisch. Insbesondere die Mensch-Hund-Interaktionen sind stark ausdifferenziert und die Rollen von Hunden in verschiedenen Kulturen und Gesellschaften sehr unterschiedlich. Hunde werden in Kategorien wie Haustiere, streunende oder verwilderte Hunde sowie Arbeitshunde klassifiziert. Diese Klassifizierungen sind beschreibend wie normativ und prägen politische Entscheidungen, Strategien zum Umgang mit Haus- und Wildtieren und somit die Art und Weise, wie Hunde behandelt, gepflegt oder kontrolliert werden.
Bei politischen Entscheidungsfindungen für den Umgang mit streunenden Hunden spielen solche Kategorisierungen eine wesentliche Rolle. Allerdings sind die Kategorienbildungen gelegentlich unzureichend wissenschaftlich informiert und stehen zudem im Widerspruch zu Teilen der öffentlichen Wahrnehmung. So werden streunende und verwilderte Hunde von lokalen Communities, politischen Entscheidungsträger:innen, Forschenden und Tierschutzorganisationen unterschiedlich konzeptualisiert. Diese unterschiedlichen Konzeptualisierungen können zu widersprüchlichen Managementansätzen und Missverständnissen und letztlich Konflikten zwischen den Beteiligten führen.
Dieses Forschungsthema zielt darauf ab, zu untersuchen, wie Hunde in verschiedenen kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Kontexten konzeptualisiert und kategorisiert werden, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf streunenden und wilden Hunden liegt. Wir werden die Genese und zugrunde gelegte Annahmen der Kategorisierungen untersuchen und prüfen, wie sie sich auf die Entscheidungsfindungen auswirken. Durch die Integration verschiedener Perspektiven aus Genetik, Verhaltensökologie, Psychologie, Sozialwissenschaften, Epidemiologie, Rechtswissenschaften und politischer Philosophie wollen wir Kategorisierungssysteme reflektieren und auf wissenschaftlich fundierter Basis weiterentwickeln.
Unser Ansatz umfasst (1) vergleichende empirische Studien zu Laienwahrnehmungen und Kategorisierungen im politischen Diskurs, (2) genetische und Verhaltensanalysen (z. B. Bewegungserfassungen) zur Identifizierung biologischer oder ökologischer Muster, die für die Kategorisierungen relevant sind, (3) rechtliche und ethische Analysen zur Klärung des moralischen und rechtlichen Status von Hunden in verschiedenen Regionen und (4) Fallstudien mit einem Schwerpunkt auf Streunerpopulationen auf dem Balkan, wo Konflikte besonders ausgeprägt sind und mit den Kategorisierungssystemen verbunden zu sein scheinen.
Das Ziel ist, einen Rahmen zu schaffen, der evidenzbasiert politische Entscheidungsfindungen unterstützt, Konflikte im Umgang mit Hunden reduziert und eine verantwortungsvolle Hundehaltung gemäß der Definition der World Organization for Animal Health (WOAH) fördert. Durch die Präzisierung und Harmonisierung von Kategorisierungen soll dieses Projekt den Tierschutz verbessern, Strategien zum Schutz der öffentlichen Gesundheit und von wildlebenden Tieren optimieren und konstruktive Mensch-Hund-Beziehungen unterstützen.
Thema 3: Wilde Gefährten: Kognition, Tierwohl und Ethik der Haltung nicht domestizierter Papageien als Haustiere;
Mentorinnen: Alice Auersperg (Kognitive Biologie;https://www.vetmeduni.ac.at/cognition/goffin-lab) & Stefanie Riemer (Companion Animal Management;https://www.vetmeduni.ac.at/cleverdoglab/team)
Die private Haltung von kognitiv anspruchsvollen, aber nicht domestizierten Tieren wirft erhebliche Tierschutz- und ethische Bedenken auf. Im Gegensatz zu domestizierten Haustieren wie Hunden oder Katzen wurden Papageien keinem Domestikationsprozess, unterzogen. Sie haben trotz ihrer hohen kognitiven Fähigkeiten die Morphologie, Kognition und Verhaltensweisen ihrer wildlebenden Artgenossen beibehalten. Die vergleichende Kognitionsforschung zeigt, dass Papageien in Bezug auf Innovation, Planung, Problemlösung und Werkzeuggebrauch mit höheren Primaten konkurrieren, unterstützt durch primatenähnliche Neuronenanzahl in der Großhirnrinde. Dennoch werden sie häufig als Haustiere gehalten, oft in Umgebungen, die ihren grundlegendsten sozialen und ökologischen Bedürfnissen nicht gerecht werden, was nachweislich zu Verhaltensstörungen und Beeinträchtigungen ihres Wohlergehens führt.
Dieses Projekt verwendet den Goffinkakadu (Cacatua goffiniana) als Modellspezies, um zu untersuchen, wie unterschiedliche Umgebungen (freie Wildbahn, Gruppenhaltung in einer großen Voliere und Haltung als Heimtiere mit Kognition, Wohlergehen und ethischen Wahrnehmungen einhergehen. Der Zugang zu freilebenden Populationen in Singapur, einer großen Vogelvoliere in Österreich und privat gehaltenen Papageien ermöglicht direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Lebensräumen. Mögliche Methoden umfassen Verhaltensbeobachtungen, kognitive Tests, Welfare-Bewertungen oder vergleichende Befragungen unter Papageienhalter:innen, Verhaltensforscher:innen und Artenschützer:innen, um unterschiedliche Ansichten über die sozialen und ökologischen Bedürfnisse großer Papageien zu erfassen.
Durch die Integration von kognitiver Biologie, Welfare Science und empirischer Ethik sollen empirische Belege dafür erbracht werden, wie sich die Umweltkomplexitäten auf die Verhaltensvielfalt, Kognition und Wohlergehen auswirken und gleichzeitig die Grundlage für ethische Debatten und Leitlinien zur Haltung kognitiv anspruchsvoller, nicht domestizierter Tiere schaffen. Während der Goffinkakadu aufgrund seiner bereits etablierten kognitiven Forschungsgeschichte und des Zugangs zu wild lebenden, in Volieren gehaltenen und als Heimtiere gehaltenen Populationen als primäre Modellspezies dient, zielt das Thema darauf ab, konzeptionelle und methodische Erkenntnisse zu generieren, die auf große Papageienarten anwendbar sind, die mit ähnlichen Herausforderungen in Bezug auf Welfare und Ethik konfrontiert sind.
Zusätzliche, themenspezifisch erforderliche Qualifikationen und Kenntnisse:
* Erfahrung mit Tierverhaltensuntersuchungen, Tierkognitionsexperimenten oder Methoden zur Bewertung des Wohlergehens
Zusätzliche, themenspezifisch erwünschte Qualifikationen und Kenntnisse:
* Vertrautheit mit der Konzeption von Umfragen und der statistischen Auswertung von Versuchs- und Fragebogendaten
* Erfahrung in der Arbeit mit verschiedenen Populationen oder in unterschiedlichen Umgebungen
Thema 4: Moral Agency bei sozialen Tieren: Reaktionen auf Normverstöße bei Goffinkakadus (Cacatua goffiniana) aus kognitionsbiologischer und philosophischer Perspektive;
Mentorinnen: Judith Benz-Schwarzburg (Tierethik;https://orcid.org/0000-0003-1523-2181) & Alice Auersperg (Vergleichende Kognition;https://orcid.org/0000-0001-7405-9791)
Jüngste Forschungsergebnisse deuten zunehmend darauf hin, dass einige Tiere bestimmte normative Praktiken zur Regulierung verschiedener Arten von (sozialen) Interaktionen pflegen und dass einige sogar in der Lage sein könnten, auf der Grundlage moralischer Emotionen zu handeln. Die Erforschung der Mechanismen und kognitiven Prozesse, die ihrer „naiven Normativität“ zugrunde liegen, zeigt, nicht nur wie Tiere soziale Beziehungen gestalten, sie ermöglicht zudem Einblicke in ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse als komplexe Wesen.
Die Untersuchung der Komplexität sozialer Systeme und der biologischen Ursprünge normativer Sensibilität trägt wiederum zu einem besseren Verständnis der evolutionären Entwicklung von Subjekten bei, die Erwartungen hegen und Ziele im sozialen Bereich verfolgen. Wenn Tiere tatsächlich solche Subjekte sind, verdienen ihre sozio-normativen Erwartungen, Ziele und Bedürfnisse ethische Beachtung. Insbesondere in Gefangenschaft lebende Tiere, sei es in Zoos, Forschungslaboren oder von Menschen verwalteten „natürlichen“ Lebensräumen, leben oft unter Bedingungen, Routinen und Regeln, die ihnen fast ausschließlich von Menschen auferlegt werden. Diese können nicht nur ihrem Wohlbefinden entgegenwirken, sondern auch ihre normative Sensibilität beeinträchtigen, vor allem ihre Erwartungen hinsichtlich gerechter Behandlung, vertrauensvoller Beziehungen und Bindungen.
Es ist bislang wenig darüber bekannt, wie sie Verstöße gegen soziale Normen wahrnehmen und darauf reagieren und was ihre Zustimmung oder Ablehnung für ihren moralischen Status und einen ethisch vertretbaren Umgang mit ihnen bedeuten. Bisher liefern Standardparadigmen zur Bewertung von Reaktionen auf Normverstöße bei Tieren hinsichtlich einer Aversion gegen Ungleichbehandlung oder gegen das absichtliche Vorenthalten einer erwarteten kooperativen Handlung untersuchen. Dadurch ist unklar, wann und wie Tiere Normverstöße als bedeutungsvoll interpretieren. Es bedarf mehr Forschung mithilfe weiterentwickelter Paradigmen, die verschiedene Kontexte umfassen (einschließlich Labor- und Feldforschung, um ökologische Validität zu gewährleisten), die bislang vernachlässigte Spezies wie Vögel einbeziehen, die sich vom Kontext der Nahrungskonkurrenz bis hin zu anderen sozialen Kontexten bewegen, und die philosophische Konzeptualisierung beinhalten.
Insbesondere sollen neue Benchmark-Tests auf kreative Weise und unter ethischen Gesichtspunkten entwickelt werden. Bei diesem Forschungsthema richten wir den Fokus auf Goffinkakadus (
Cacatua goffiniana
) als Vogelmodell, um zunächst zu untersuchen, wie Papageien Verstöße gegen soziale Normen erkennen, interpretieren und darauf reagieren, um zu diskutieren, was das über ihre kognitiven Fähigkeiten und ihr Normverständnis aussagt, und um schließlich zu diskutieren, welche Auswirkungen dies auf ihr Wohlergehen und ihren moralischen Status hat.
Zusätzliche, themenspezifisch erforderliche Qualifikationen und Kenntnisse:
* Vertrautheit mit konzeptionellen philosophischen Debatten über Normativität bei Tieren
* Erfahrung in der empirischen Arbeit mit intelligenten Tieren (bevorzugt Papageien)
Thema 5: Wie Menschen und Tiere einander wahrnehmen und beeinflussen: Neurokognitive, psychologische und verhaltensbezogene Grundlagen der Sozialität zwischen verschiedenen Spezies;
Mentor:innen: Magdalena Boch (Psychologie, Neurowissenschaft;www.magdalenaboch.com) & Ludwig Huber (Kognitionswissenschaften, Verhaltensbiologie;https://orcid.org/0000-0002-0217-136X)
Die Rückkehr der Wölfe in ihre historischen Lebensräume stößt oft auf Widerstand, im starken Gegensatz zur weit verbreiteten Beliebtheit von Hunden. Um zu verstehen, warum Wölfe gefürchtet und Hunde geliebt werden, bedarf es grundlegender Kenntnisse über die neuronalen, psychologischen und verhaltensbezogenen Grundlagen der Mensch-Tier-Beziehungen und -Interaktionen – das heißt also der artübergreifenden Sozialität. Diese Forschung wird die Grundlage für künftige angewandte Arbeiten zur Förderung der Koexistenz von Mensch und Wolf und, im weiteren Sinne, von Mensch und Wildtier schaffen.
Trotz umfangreicher Forschungsarbeiten mit Menschen und Primaten ist unser Verständnis von Sozialität nach wie vor begrenzt und beschränkt sich weitgehend auf die Interaktionen innerhalb einer Art in einer einzelnen Linie. Diese Studien zeigen, dass spezielle Netzwerke das Leben in komplexen sozialen Gruppen unterstützen und wie sie durch soziale Beziehungen geprägt werden. Dennoch wissen wir noch wenig darüber, wie die Interspezies-Sozialität im Gehirn entsteht, dessen Organisation umgestaltet und Verhalten und Wahrnehmung lenkt.
Die Mensch-Hund-Beziehung bietet eine einzigartige Gelegenheit, diese Lücke zu schließen. Hunde haben sich über Jahrtausende hinweg gemeinsam mit Menschen entwickelt, teilen ihre Lebensräume und gehen kooperative Bindungen ein. Sie können darauf trainiert werden, an Neuroimaging-Untersuchungen im Wachzustand teilzunehmen, wodurch Einblicke in die neuronalen Grundlagen der Sozialität zwischen verschiedenen Spezies gewonnen werden können. Fortschritte in der postmortalen Neurobildgebung ermöglichen es, diesen Rahmen über Hunde hinaus auf Wölfe und andere Vertreter der Ordnung Carnivora (Raubtiere) auszuweiten und die Mensch-Hund-Bindung in den größeren Zusammenhang der sozialen Gehirnentwicklung von Raubtieren zu stellen.
Zusammen ermöglicht dies integrative Ansätze, die Verhalten, Kognition und Neurobildgebung kombinieren, um alltägliche soziale Erfahrungen (Ontogenese) mit evolutionärer Konvergenz und Divergenz (Phylogenese) zu verknüpfen. In diesem Rahmen befasst sich das Projekt damit, wie die Sozialität zwischen verschiedenen Arten an der Schnittstelle zwischen individueller Erfahrung und Evolutionsgeschichte geprägt wird. Es wird untersucht, (1) wie alltägliche Interaktionen die Wahrnehmung, das Verhalten und die Organisation des Gehirns bei Menschen und Hunden verändern, (2) wie diese Prozesse im Vergleich zu Wölfen und anderen nahen Verwandten ablaufen und (3) ob soziale Gehirnbereiche bei Raubtieren und Primaten konvergente Anpassungen an die Herausforderungen eines komplexen sozialen Lebens innerhalb und zwischen den Arten widerspiegeln.
Bewerber:innen haben Zugang zu Neuroimaging-, psychophysiologischen und verhaltenswissenschaftlichen Einrichtungen für Studien mit Haustierhunden und Menschen, sowie zu bestehenden Datensätzen von anatomischen und „Ruhezustands“-Scans (sog. Resting state) von Haushunden mit Informationen zu Haushalt und Verhalten, multimodalen ex-vivo-Gehirnscans von mehr als 25 domestizierten und wilden Raubtieren sowie Gehirnproben von handaufgezogenen Wölfen mit Verhaltens- und kognitiven Aufzeichnungen. Bitte wenden Sie sich an die Mentor:innen, falls Sie weitere Informationen über die Einrichtungen oder Datensätze benötigen.
Zusätzliche, themenspezifisch erwünschte Qualifikationen und Kenntnisse:
* Hintergrund in vergleichender Kognitionsforschung und Neuroimaging bei nicht-menschlichen Spezies
* Erfahrung mit der Untersuchung von Gehirnen von Hunden oder anderen Raubtieren
* Praktische Erfahrung mit Verhaltenstests an Menschen und/oder Tieren oder mit psychophysiologischen Methoden
* Expertise in Versuchsplanung, statistischer Modellierung und Datenanalyse (Python, MATLAB, R oder ähnliches)
Thema 6: Selbstvertrauen durch Erfolg aufbauen: Bewältigbare Herausforderungen zur Verbesserung von Tierwohl und Mensch-Tier-Beziehungen
Mentorinnen: Stefanie Riemer (Companion Animal Management;https://www.vetmeduni.ac.at/cleverdoglab/team) & Alice Auersperg (Kognitionsbiologie;https://www.vetmeduni.ac.at/cognition/goffin-lab)
Tiere in menschlicher Obhut sind oft mit Beschäftigungs- oder Trainingssituationen konfrontiert, die entweder zu einfach sind, um interessant zu sein, oder zu schwierig, um gelöst zu werden. Leider können sowohl unter- als auch überfordernde Aufgaben das Wohlbefinden beeinträchtigen: Einfache Aufgaben bieten wenig Anregung, während unlösbare Aufgaben Frustration und Rückzug verursachen. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass wiederholte Erfolge bei angemessen herausfordernden Aufgaben das Selbstvertrauen stärken, die Resilienz fördern und das emotionale Wohlbefinden verbessern können.
Das Projekt soll diese Hypothese in drei Tiergruppen testen: domestizierte Haustiere (Hunde), domestizierte Nicht-Haustiere (z. B. Pferde) und nicht domestizierte Haustiere (Papageien). Die Probanden werden entweder lösbare Aufgaben erhalten, die auf ihre Fähigkeiten abgestimmt sind, oder Kontrollaufgaben, bei denen der Erfolg blockiert oder stark erleichtert wird. Wir werden untersuchen, ob sich diese Übungen in anderen Kontexten auswirken, beispielsweise auf die Risikobereitschaft in Tests mit ungewohnten Objekten und in ungewohnten Umgebungen, auf den emotionalen Zustand gemessen mithilfe validierter kognitiver Bias-Tests oder auf physiologische Indikatoren für Wohlergehen wie Herzfrequenzvariabilität, endokrine Marker oder Veränderungen der Körperoberflächentemperatur (gemessen mittels Infrarot-Thermografie).
Wir gehen davon aus, dass Tiere, die wiederholt Erfolge bei ausreichend anspruchsvollen Aufgaben erzielen, sich neuen und/oder unklaren Situationen schneller annähern, optimistischere Entscheidungen treffen und im Vergleich zu Kontrollgruppen günstigere physiologische Profile aufweisen. Diese Erkenntnisse werden den ersten systematischen Rahmen dafür liefern, wie die Abstimmung von Problemlöseaufgaben auf die individuellen Fähigkeiten das Selbstvertrauen und die emotionale Belastbarkeit bei verschiedenen Spezies beeinflusst. Durch die Integration von Tierkognition, Tierschutzwissenschaft, Veterinärphysiologie, Ökologie und empirischer Ethik wird das Projekt evidenzbasierte Leitlinien für Förder- und Trainingsprogramme entwickeln, die das Wohlergehen der Tiere und die Mensch-Tier-Beziehung verbessern. Die Ergebnisse werden praktische Auswirkungen auf Haustiere, Arbeitstiere und von Menschen gehaltene, nicht domestizierte Arten haben und sowohl die Forschung als auch das Wohlergehen von Tieren unterstützen.
Zusätzliche, themenspezifisch erforderliche Qualifikationen und Kenntnisse:
* Praktische Erfahrung mit Tieren
Zusätzliche, themenspezifisch erforderliche Qualifikationen und Kenntnisse:
* Erfahrung mit Verhaltensexperimenten, Datenanalyse und mindestens einem der folgenden Bereiche: kognitive Testungen, physiologische Probenahme, Enrichment- oder Trainingsdesign oder interdisziplinäre Forschung zur Mensch-Tier-Interaktion.
Thema 7: Aggression bei Hunden: Eine länderübergreifende Analyse von Richtlinien, Wahrnehmungen und menschlichem Einfluss
Mentorinnen: Svenja Springer (Ethik in der Veterinärmedizin;https://www.vetmeduni.ac.at/ethics/team) & Zsófia Virányi (Tierverhalten;https://orcid.org/0000-0003-3963-8426)
Aggression ist ein integraler Bestandteil des natürlichen Verhaltensrepertoires von Hunden, was in Anbetracht der engen Beziehung zwischen Mensch und Hund – sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum – ein signifikantes Risiko darstellen kann. Die weit verbreitete Hundehaltung führt dazu, dass in den Medien häufig über Hundebisse und -angriffe als bedeutendes gesellschaftliches Problem berichtet wird, das für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit von erheblicher Relevanz ist. In Reaktion auf diese Thematik wurden in den letzten Jahrzehnten Gesetze eingeführt, die spezifische Einschränkungen für bestimmte Hunderassen festlegen, um der Herausforderung der Aggressivität zu begegnen. Diese regulatorischen Ansätze variieren jedoch erheblich von Land zu Land – sie reichen von der Verpflichtung zur Nutzung von Leine und Maulkorb bis hin zu faktischen Verboten bestimmter Rassen.
Allerdings kann die Zweckmäßigkeit dieses Ansatzes zur Vermeidung von Aggressionen bei Hunden aus fundierten Gründen in Frage gestellt werden. Es bleibt unklar, inwieweit dieser Ansatz auf einer genetischen Vererbbarkeit der Aggression bei Hunden basiert oder ob er eher eine Assoziation zwischen bestimmten Hunderassen und spezifischen Typen von Haltern widerspiegelt. Aktuelle Forschungsarbeiten legen nahe, dass menschliche Einflussfaktoren, wie die Sozialisierung und das Training von Hunden sowie das Verhalten von Menschen im Umgang mit diesen Tieren, maßgeblich zur Häufigkeit von hundeverursachten Verletzungen beitragen.
Inwieweit aggressive Verhaltensweisen von Hunden, die zu Verletzungen führen können, präventiv adressiert werden können, wurde bereits für spezifische Zielgruppen, wie beispielsweise Kleinkinder in privaten Haushalten, untersucht, etwa im Rahmen des Blue Dog-Projekts. In der Öffentlichkeit wurde dieses Thema jedoch bislang nur unzureichend behandelt, und aktuelle Statistiken differenzieren nicht zwischen Verletzungen, die aus aggressiven (agonistischen) Interaktionen resultieren, und Unfällen, die während des Spiels, beim Begrüßen oder in anderen (nicht-aggressiven) sozialen Kontexten auftreten. Es erscheint, als fehle der gegenwärtigen Forschung ein umfassender und integrativer Rahmen, der die Komplexität der Interaktionen zwischen Mensch und Hund sowie das Management von Hundeaggressionen in unterschiedlichen kulturellen Kontexten adäquat berücksichtigt.
Um das vielschichtige Problem der „Aggression“ bei Hunden, verstanden als Verletzungen, die Hunde Menschen zufügen, effektiv zu bearbeiten, ist ein interdisziplinäres Forschungsdesign erforderlich. Dieses Thema erfordert innovative Ansätze zur Untersuchung kritischer Fragen im Zusammenhang mit regulatorischen Maßnahmen, gesellschaftlichen Wahrnehmungen und den praktischen Faktoren, die zur Aggression bei Hunden beitragen. Durch die Analyse dieser Dynamiken mittels länderübergreifender Bewertungen, Umfragen und Beobachtungsstudien zielt das Projekt darauf ab, ein umfassendes Verständnis von Hundeaggression zu entwickeln und effektive Managementstrategien zu formulieren. Dieser Forschungsansatz ist entscheidend für die Stärkung der Mensch-Tier-Beziehung und trägt zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit bei, was letztendlich zu informierten politischen Entscheidungen und Praktiken führt, die sowohl Hunden als auch ihren Gemeinschaften zugutekommen.
Thema 8: Das Tier unterrichten: Ein Vergleich des Potenzials tierbasierter vs. virtueller Bildung zur Verbesserung des Wissens über Tiere und zur Förderung des tierethischen Bewusstseins
Mentor:innen: Judith Benz-Schwarzburg (Tierethik;https://orcid.org/0000-0003-1523-2181), Megan Lambert (Vergleichende Kognition;https://orcid.org/0000-0003-3618-7260) & Carlo Salzani (Philosophie;https://orcid.org/0000-0002-1675-7206)
Die Mensch-Tier-Beziehung hat in den letzten Jahrhunderten dramatische Veränderungen erfahren, was zu komplexen ethischen Fragen geführt hat, beispielsweise im Tier- und Artenschutz. Das Bewusstsein für diese Themen hat stetig zugenommen, wobei viele Forschende im Bereich der Human-Animal Studies für einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel in Bezug darauf plädieren, wie Menschen Tiere verstehen, mit ihnen in Beziehung treten und sie letztendlich behandeln. In der Praxis versuchen eine Reihe von Institutionen auf einen solchen Paradigmenwechsel hinzuarbeiten. Beispielsweise beanspruchen Zoos, die Betreiber oder Verwalter von Naturschutzgebieten und NGOs im Bereich Natur- und Artenschutz gleichermaßen für sich, dass sie Menschen nicht nur die Möglichkeit bieten, echten Tiere zu begegnen, sondern auch Bildungsinhalte über die Spezies und die (vom Menschen verursachten) ethischen Herausforderungen, denen diese Tiere gegenüberstehen (z. B. Klimawandel, Verlust von Lebensräumen oder die Nachteile der intensiven Landwirtschaft), zu vermitteln.
Es ist jedoch eine offene Frage, ob lebende Tiere in solche Aktivitäten einbezogen werden müssen (oder sollten), insbesondere wenn der pädagogische Wert Gefahr läuft, von Entertainment überlagert zu werden. Viele Menschen, besonders Kinder, haben sicherlich Freude daran, Tiere zu sehen und vielleicht sogar zu berühren. Diese Begegnungen tragen zwar nachweislich dazu bei, das Verständnis der Besucher:innen oder Teilnehmer:innen für das Verhalten, die Bedürfnisse und die Herausforderungen der Tiere – zumindest kurzfristig – zu verbessern, doch sind sie ethisch auch problematisch, was das Wohlbefinden der Tiere oder die vermittelte Mensch-Tier-Beziehung angeht.
Dementsprechend versuchen einige Einrichtungen, die Teilnehmer:innen mit Hilfe virtueller Hilfsmittel (einschließlich Videomaterial, VR-Brillen, interaktive Workshops uvm.) über die Tiere selbst und ihre ethischen Ansprüche an uns zu informieren, anstatt lebende Tiere einzubeziehen. Der kurz- und langfristige Bildungseffekt dieses Ansatzes, die vermeintlich ethischeren Bedingungen, und das Ausmaß, zu dem beides von den jeweils adressierten Tierarten abhängt, sind aber kaum erforscht.
In diesem Forschungsthema schlagen wir vor, verschiedene pädagogische Maßnahmen miteinander zu vergleichen, die darauf abzielen, das Wissen der Menschen über Tiere zu erweitern und ihr Bewusstsein für tierethische Fragen zu schärfen. Die/Der Kandidat:in kann auch verschiedene Spezies (wie typische Zootiere, Nutztiere oder endemische Wildtiere) einbeziehen, um den Grad an Aufmerksamkeit zu erforschen, den Menschen verschiedenen Spezies üblicherweise widmen. Die Wirkung sollte idealerweise sowohl kurzfristig (Vergleich von Wissen und Einstellungen vor und unmittelbar nach der Intervention) als auch langfristig gemessen werden. Die/Der Kandidat:in wird dazu angeregt, alternative Interventionen ohne Tiere und mit virtuellen Hilfsmitteln zu entwickeln (z. B. Workshops zu Tierkognition und Tierethik), die im Rahmen der Studie getestet werden.
Zusätzliche, themenspezifisch erforderliche Qualifikationen und Kenntnisse:
* Erfahrung mit der Erstellung von Lehrmaterialien im Bereich Human-Animal Studies
Die Onlinehearings mit den Kandidat:innen sind für September 2026 (voraussichtlich in den Kalenderwochen 38 und 39) vorgesehen. Die Veterinärmedizinische Universität Wien, die Medizinische Universität Wien und die Universität Wien bieten ein hervorragendes Forschungsumfeld mit modernen Forschungsumgebungen und internationalen Doktoratsprogrammen sowie verschiedener Plattformen, die Forschende aus verschiedenen Departments und Disziplinen zusammenbringen.
Alle drei Universitäten streben eine Erhöhung des Frauenanteils beim wissenschaftlichen und beim allgemeinen Universitätspersonal insbesondere in Leitungsfunktionen an und fordern daher qualifizierte Frauen ausdrücklich zur Bewerbung auf. Bei Unterrepräsentation von Frauen werden Bewerberinnen, die gleich geeignet sind wie der bestgeeignete Mitbewerber vorrangig aufgenommen, sofern nicht in der Person eines Mitbewerbers liegende Gründe überwiegen.
Die Bewerbungen sind gebührenfrei. Die Bewerber:innen haben keinen Anspruch auf Erstattung von Reise- und Aufenthaltskosten, die aus Anlass des Aufnahmeverfahrens entstanden sind. Alle drei Universitäten freuen sich über Bewerbungen von Personen mit Familienkompetenz. Die Vetmeduni und die Medizinische Universität Wien sind stolze Trägerinnen des Zertifikats „hochschuleundfamilie“. Ebenso sind Bewerbungen von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen willkommen.
Datenschutzinformation gemäß Art. 13 DSGVO Im Zuge des Bewerbungs- und Auswahlverfahrens für diese ausgeschriebenen Stellen werden personenbezogene Daten der Bewerber:innen durch die Veterinärmedizinische Universität Wien, die Medizinische Universität Wien und die Universität Wien gemäß Art. 26 DSGVO verarbeitet.
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Universitätsstraße 7
1010 Wien
E-Mail:dsba@univie.ac.at
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Die Verarbeitung erfolgt zum Zweck:
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* Referenzen
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Im Rahmen des Auswahlverfahrens werden die angeführten Bewerber:innendaten durch die jeweils mit dem Verfahren betrauten Personen, Gremien oder Kommissionen der Partneruniversitäten verarbeitet.
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